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Ärzte aus Falluja fordern von eine Untersuchung wegen häufiger Missbildungen bei Babies
31.08.2010
Junge Welt (Leukefeld) Falluja: »Falluja, Irak, Krebs, Leukämie, abgereichertes Uran, Golfkrieg« - unter diesen Stichworten findet man heute in Internet und Bibliotheken die Studie »Krebs, Kindersterblichkeit und Geburtenänderung im Geschlechterverhältnis« von Chris Busby, Malak Hamdan und Entesar Ariabi von 2010. Tatsächlich deuten die hohen Krebsraten und Mißbildungen bei Neugeborenen auf den Einsatz von DU-Munition hin, in dessen Folge sich ein feiner radioaktiver Staub in der Luft, auf dem Boden und im Wasser auflöst und eingeatmet oder über die Nahrungskette aufgenommen wird. Die Langzeitfolgen zeigen sich erst nach fünf bis sechs Jahren.
Erstmals wandten sich Ärzte aus Falluja im Oktober 2009 mit einem offenen Brief an die Vereinten Nationen und forderten eine Untersuchung. Allein im September 2009 waren 24 Prozent der 170 Neugeborenen innerhalb von sieben Tagen gestorben, 75 Prozent von ihnen hätten schwere körperliche Schäden aufgewiesen, hieß es in dem Schreiben. »Junge Frauen haben Angst, Kinder zu bekommen, weil Babys mit grotesken Mißbildungen geboren werden, ohne Köpfe, mit zwei Köpfen oder einem Auge auf der Stirn (...)«.
Busby, Hamdan und Ariabi stellten daraufhin Fragebogen (in arabisch) zusammen, die Anfang 2010 von speziellen Teams in insgesamt 711 Haushalten in Falluja verteilt wurden. 4843 Personen antworteten. Die Auswertung ergab, dass sich seit Januar 2005 die Krebserkrankungen in Falluja vervierfacht hatten. Die Rate liegt 38mal höher als in Ägypten, Jordanien und Kuwait. Erhöhtes Risiko für Leukämie liegt bei allen Altersgruppen vor, gefolgt von Krebs in den Lymphgefäßen, Brustkrebs bei Frauen und Gehirntumoren.
Die Todesrate beträgt bei Neugeborenen 80 von 1000 - in Ägypten sind es 19,8, in Jordanien 17 und in Kuwait 9,7 auf tausend Geburten. Anormal zeigte sich das Geburtenverhältnis von Jungen und Mädchen bis zu vier Jahren. Normalerweise ist das Verhältnis in dieser Altersgruppe 1050 Jungen zu 1000 Mädchen. In Falluja ist das Verhältnis 860 Jungen zu 1000 Mädchen. Als Grund wird Stress durch genetische Störung angenommen, was gestützt wird von der hohen Anzahl von Missbildungen. Männliche Embryos überleben weniger oft als weibliche Embryos, die mit Missbildungen reagieren.
Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluß, daß die Einwohner von Fallufa mit einer vergleichweise höheren Rate an Krebs, Leukämie, Kindersterblichkeit und Missbildungen konfrontiert sind, als es bei den Überlebenden von Hiroschima und Nagasaki in den Jahren nach den Atombombenabwürfen im August 1945 dokumentiert wurde. Die Studie: www.mdpi.com/journal/ijerph Die Studie wurde in der Juliausgabe (2010) des International Journal of Environmental Research and Public Health () veröffentlicht.
Presseerklärung von Firas Maraghy
31.08.2010
Presseerklärung von Firas Maraghy, 31. August 2010
Von Anfang meines Hungerstreiks am 26.07.2010 an bin ich immer an einer einvernehmlichen Lösung interessiert gewesen. Ursache für den Hungerstreik war einerseits, dass mir im Mai 2009 in Jerusalem bedeutet wurde, ich werde mein Residenzrecht für Jerusalem verlieren, wenn ich nicht im Mai 2011 für mindestens eineinhalb Jahre dorthin zurückkehre. Zugleich aber wurde verweigert, meine Ehe mit der deutschen Staatsbürgerin Wiebke Diehl zu registrieren, was Voraussetzung für eine Aufenthaltsgenehmigung für meine Frau wäre. Im April 2010 weigerte sich zudem die israelische Botschaft in Berlin, meine im Dezember geborene Tochter Zaynab zu registrieren und ihr ebenfalls ein Reisedokument auszustellen. Ich wäre also gezwungen, mich zwischen meiner Familie und meiner Heimat zu entscheiden. Ungeachtet jeder weiteren Entwicklung bleibt meine Forderung weiterhin dieselbe: ein gesichertes Bleiberecht in Jerusalem für meine Tochter, meine Frau und mich. Gemäß Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte hat jeder das Recht, jedes Land, einschließlich seines eigenen, zu verlassen und in sein Land zurückzukehren.
Der Besuch des Vizepräsidenten des Deutschen Bundestags, Wolfgang Thierse, und des Sprechers für Menschenrechte der SPD-Bundestagsfraktion, Christoph Strässer, am 30. August 2010 sowie die Interventionen einer Vielzahl weiterer Politiker aller Bundestagsfraktionen haben Bewegung in die Situation gebracht. Ich möchte Herrn Thierse und Herrn Strässer sehr für diesen Besuch und auch den anderen Abgeordneten für ihren Einsatz danken.
Herr Thierse und Herr Strässer führten in der israelischen Botschaft ein Gespräch mit dem Gesandten und überbrachten mir anschließend das Angebot, in Jerusalem mit dem Direktor des „Registration and Civil Status Department" des Innenministeriums Israels, Herrn Amos Arbel, zu sprechen. Dieses Gespräch solle mit dem Ziel einer Lösung meines Anliegens geführt werden.
Ich bin bereit, in einigen Wochen nach Jerusalem zu fahren, um das Gespräch mit Herrn Arbel wahrzunehmen. Ich werde diese Reise nur in Begleitung eines hochrangigen Politikers oder einer Person des öffentlichen Lebens antreten. Sobald diese Person feststeht, sollte die israelische Botschaft mit ihr einen Termin für das besagte Gespräch vereinbaren. Ich bin dann bereit, meinen Hungerstreik zu beenden und - nachdem ich mich gesundheitlich erholt habe - die Reise anzutreten.
Ich werde die Medien, denen ich danke für die große Beachtung, die sie unserem Anliegen geschenkt haben, über die Entwicklung auf dem Laufenden halten.
Meine Frau und ich sind an einer Lösung sehr interessiert und hoffen, dass in Jerusalem tatsächlich auf eine solche hingearbeitet wird. Meine Frau und ich danken allen Politikern sowie allen anderen Menschen und Organisationen, die sich für eine Klärung unserer Situation eingesetzt haben.
Firas Maraghy
Osman Ahmad starb im Alter von 125 Jahren
30.08.2010