Nachrichtenticker: Archiv Juli 2012
Appell für Syrien - von der in Sant'Egidio versammelten syrischen Opposition
31.07.2012
|
Appell vom 26. Juli 2012 Rom: Appell für Syrien - die in Sant'Egidio versammelte syrische Opposition fordert eine politische Lösung AUSZUG: 1. Syrien erlebt die dramatischste Krise seiner Geschichte. Die Entscheidung für eine militärische Lösung lässt die Forderungen des Aufstands nach Freiheit und Würde für das syrische Volk unberücksichtigt. Das hat zu einer Ausweitung der Gewalt geführt, zu viele Menschenleben gefordert und umfassende Zerstörungen verursacht. |
NCB: Haytham Manna, Abdulaziz al-Khayer, Rafaa al-Naser; Minbar (demokr. Forum): Faiez Sara, Michel Kilo, Samir Aita; Watan Coalition:Faek Hwajeh; Demokr. Islam. Gruppe: Riad Drar; Syrian Trade Union/ Women Syrian Activist: Amal Naser; MAA Movement (together): Ali Rahmoun; Tabanna Dawla Suriya: Anas Joudeh, Rim Turkmani; West Kurdistan Vereinigung: Abdusalam Ahmad; Qutla wataniyya: Ayham Haddad; Hauran Rencontres (for citizenship): Ugab Abuo Suede, Sada Hamzeh.
Hariri-Tribunal doch nicht illegal?
30.07.2012
www.stl-tsl.org Das UN-Sondertribunal für den Libanon in Den Haag (STL), das den Fall des ermordeten früheren Ministerpräsidenten Rafiq al-Hariri untersucht, gab heute bekannt, dass die Strafkammer den Antrag der Verteidigung abgelehnt habe, sich selbst für illegal zu erklären. In einer öffentlichen Anhörung am 13. und 14. Juni hatte die Verteidigung der vier angeklagten mutmaßlichen Hizbullah-Mitglieder Ayyash, Badreddin et al., argumentiert, dass der UN-Sicherheitsrat sich über die UN-Charta hinweggesetzt und auch gegen die libanesische Verfassung verstoßen habe, als er das Tribunal im Mai 2007 mittels der Resolution 1557 einsetzte ("inamo" berichtete). Libanon sei Mitglied der Vereinten Nationen, wandten die Richter dagegen ein, und entsprechend an Entschlüsse des Sicherheitsrats gebunden. Gegen das Argument, dass nach der libanesischen Verfassung Präsident und Parlament das Abkommen über das Tribunal hätten aushandeln müssen, nicht aber, wie geschehen, der Premierminister, brachten sie vor, dass bei den UN oder dem Tribunal bisher noch keine formale Beschwerde seitens Libanons aufgrund dieser Verfahrensweise eingegangen sei. Schließlich sei es auch nicht Aufgabe der Vorverhandlungen, über die Legalität des Tribunals zu entscheiden, so die Richter, gegen deren Bescheid nun Berufung eingelegt werden kann. Das verzögert den Prozessauftakt immer weiter, der voraussichtlich frühestens im März kommenden Jahres in Abwesenheit der Angeklagten stattfinden kann, nachdem diese nach Bekanntwerden der Anklage im vergangenen Jahr offensichtlich untergetaucht waren. Kritiker werfen dem STL seit Langem vor, ein Instrument der libanesischen März-14-Koalition und ihrer Verbündeten im Westen und in den Golfstaaten gegen ihre Gegner Syrien und Hizbullah zu sein.
Palästina: OXFAM fordert von Israel die Aufhebung der Restriktionen
28.07.2012
|
Damit die PA ihren Haushalt aufstocken kann, fordert die NGO (GB) Oxfam International, dass Israel die Restriktionen auf Land, Wasser und Bewegungsfreiheit aufhebt. Das Jordantal ist das fruchtbarste Gebiet der Westbank. Jordantal und das Gebiet um das Tote Meer, machen ein Drittel der Westbank aus, dort leben 60 000 Palästinenser (vorwiegend Beduinen). Jedoch hat die Ausdehnung der Siedlungen und andere Restriktionen das Leben der Menschen erschwert. Gemäß den Osloverträgen (1993) wurde die Westbank in drei Zonen geteilt. A, B und C: Im C-Gebiet hat Israel die zivile und militärische Kontrolle (60%). Im Jordantal leben vorwiegend Beduinen, in Enklaven, umrundet von militärischen Zonen, Checkpoints und mehr als 30 israelischen Siedlungen. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt und wird mit Genehmigungen reguliert. Die israelische Armee führt dort oft Manöver durch, mitten in Bevölkerungszentren und palästinensischen Dörfern. Ein solches Dorf ist al-Aqaba. 1967 lebten dort noch 2000 Palästinenser, heute nur noch 300. Das Hohe Israelische Gericht hat 2001 Manöver in der Nähe und in den Dörfern verboten. Das Militär ignoriert das. Das UN Büro for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA) hat für 2011 200 palästinensische zerstörte Anlagen dokumentiert. Dazu gehören die Zerstörung von Wassertanks. Laut OCHA finden 90% der Zerstörungen im agrikulturellen Bereich statt, auch in der Tierhaltung. Freien Zugang zum Wasser gibt es ebenfalls nicht. Die Menschen leben von 10-20 Liter am Tag (laut der Weltgesundheitsorganisation sind 100 Liter Wasser täglich notwendig. Im Vergleich dazu benutzen 9.500 Siedler im Jordantal und dem Toten Meer-Gebiet ungefähr 300 Liter am Tag, laut OCHA. Genehmigungen für den Neubau oder die Restaurierung von Wasserzisternen gibt die Besatzungsmacht keine. Nein, sie zerstören ncoh zusätzlich Zisternen und konfiszieren Tanks. So hat im letzten Monat die dörfliche Gemeinschaft in Ein el-Hilweh ihre Wassertanks beschlagnahmt bekommen. B'Tselem schätzt, dass die Palästinenser Zugang zu 89 Brunnen haben, 1967 waren es noch 209. |
|
GEmäß den Angaben von BIMKOM: Planners for Planning Rights, "The restrictive Israeli planning policy is a central tool in the ongoing struggle for control of land and the [Israeli] Civil Administration's attempt to secure large reserves of land for Israeli interests, primarily for the settlements." Artikel darüber in Al-Jazeera online. 28.07.12
|
Bahrain: Spionagesoftware gegen die Demokratiebewegung
28.07.2012
Die deutsch-britische Firma Gamma International liefert eine der “bekanntesten und komplexesten Spionage-Software“. Dies bekommen auch Ländern angeboten, die damit demokratische gesinnte Oppositionelle bekämpfen. Fachleute sagen: Jawohl, dieses Programm gibt es, aber wir haben es noch nie gesehen.
Aktivisten in Bahrain wurden Ziel einer Welle bösartiger E-Mails. „Diese anmieiren den Leser dazu, Anlagen zu öffnen und auf der Festplatte zu speichern. Es installiert sich daraufhin die Datei „Finspy“, ohne dass der Benutzer etwas davon mitbekommt.“ Ist die Software verankert, kann man den PC fernsteuern.
Man kann die Anlage auch als Bild tarnen. Sie deaktiviert den Anti-Virenschutz. Man kann Skype-Kommunikationen, Gespräche, Dateiübertragungen abhören. Die eigentliche Entwicklung des Programms soll von Gamma International in Deutschland durchgeführt worden sein. Der komplette Artikel: FAZ, 28.Juli, Nr. 174, Seite 40.
Marokko: Opposition wird zerschlagen
28.07.2012
(larbi.org, ibnkafkasobiterdicta.wordpress.com, yabiladi.com) Im Windschatten der syrischen Tragödie geht eine zweite fast unbemerkt vonstatten: im vergangenen Jahr von Top-Demokraten wie dem damaligen französischen Staatspräsidenten Sarkozy und zahlreichen Pressekolumnisten für seine "demokratischen Reformen" bejubelt und von EU und USA noch vor Tunesien und Ägypten mit Zuwendungen bedacht, entledigt sich Marokko der letzten Reste seiner Opposition. Nachdem am 22.07. in mehreren Städten des Landes Demonstrationen der Bewegung "20. Februar" brutal von der Polizei aufgelöst und zahlreiche Aktivisten verhaftet worden waren, verkündete am 25.07. in Casablanca das erste Standgericht, warum ihnen nun der Prozess gemacht werden soll: unter anderem wegen der bloßen Zugehörigkeit zum "20. Februar". Umso verblüffender, als das weitestgehend von Jugendlichen und Vertretern von Menschenrechtsgruppen und kleinen linken Parteien getragene lose Bündnis bisher noch von keiner Seite, auch nicht von Vertretern der Regierung, als "illegal" bezeichnet worden war und die hochgelobte neue "Verfassung" in höchsten Tönen Meinungsfreiheit garantiert. Allerdings waren die Demonstranten, die seit dem 20.02.2011 unablässig eine reale Gewaltenteilung und eine echte Demokratie fordern, erfolgreich als Separatisten und Islamfeinde bzw. umgekehrt als gefährliche Fundamentalisten denunziert worden. Die gleichgeschaltete Presse macht's mit, und dem Ausland mag's recht sein. Widerstand gegen pharaonische Großprojekte wie den TGV Tanger-Casablanca scheint so nicht mehr zu erwarten. Nach Frankreich hat übrigens auch Deutschland das Königreich als Paradies für seine Investitionen entdeckt. Zwar wird das Solarstromprojekt "Desertec" kaum mehr in seiner ursprünglich geplanten Form gebaut. Aber jüngst beschloss VW, eine ursprünglich für Algier geplante Autofabrik nach Marokko zu verlegen.