Nachrichtenticker: Archiv April 2012

"Fahrenheit 451" in Marokko

29.04.2012

 Erst vor kurzem war erneut eine Studie veröffentlicht worden, aus der hervorging, dass die arabische Welt, was den gegenwärtigen Entwicklungsstand ihrer Literatur angeht, im internationalen Vergleich etwa auf dem Rang von Estland rangiert. Man könnte die verschiedensten Überlegungen anstellen, woran das liegen könnte, doch einen Grund erhellt eine Nachricht vom "Welttag des Lesens" aus Marokko. Dort wollten nämlich Jugendliche auf einem Platz mitten in Rabat friedlich und stumm in einem Sit-in einfach eine Weile vor sich hin lesen, doch wurden sie daran von der Polizei gehindert, der zufolge öffentliches Lesen an jenem Ort nicht gestattet sei. Wo kämen wir da hin, wenn plötzlich alle zu denken begännen. Eine Demonstration solch erstaunlicher Fähigkeiten, das versteht sich von selbst, steht im Zeichen des "arabischen Frühlings" sofort unter Generalverdacht.

http://antegone.wordpress.com/2012/04/29/la-calomnie-de-levenement-nod-t9ra-a-la-place-de-la-poste-rabat-le-29-avril-2012/

Tabu-Thema Nakba

26.04.2012

 (26.4.2012, electronicintifada.net, therealnews.com) Als am gestrigen Unabhängigkeitstag Aktivisten von "Zochrot" in Tel Aviv der Nakba gedenken wollten, wurden sie von einem massiven Polizeiaufgebot daran gehindert, das den Sitz der Organisation belagerte. Drei Demonstranten wurden verhaftet, als sie begannen, die Namen ethnisch gesäuberter palästinensischer Städte und Dörfer laut zu verlesen. Ursprünglich hatte "Zochrot", übersetzt  "Erinnern", diese auf Schilder schreiben und damit auf dem Rabin Square demonstrieren wollen. Erst im vergangenen Jahr hatte die Knesset ein Gesetz beschlossen, das das öffnetlich Gedenken der Nakba unter Strafe stellt. Davon betroffen sind nicht zuletzt Schulen, an denen Palästinenser unterrichtet werden. Über dieses für sie zentrale Datum wird Schweigen verordnet. Wie weit gefährliche Verfälschungen der Geschichte sich unter der Hand an israelischen Schulen bereits durchgesetzt zu haben scheinen, darauf hatte erst Tage zuvor eine Nachricht vom diesjährigen Holocaust-Gedenktag ein bezeichnendes Licht geworfen: Bei einer Aufführung des Dramas "Ghetto" im Cameri-Theater in Tel Aviv hatten High-School-Studenten sich lautstark über die Opfer des Holocaust lustig gemacht und Partei der Nazis ergriffen. Das löste in den Medien eine Diskussion über "Versäumnisse in der Erziehung" aus.

http://electronicintifada.net/blogs/ali-abunimah/israeli-police-forcibly-prevent-nakba-event-and-israeli-high-schoolers-cheer?utm_source=EI+readers&utm_campaign=daaa3cba06-RSS_EMAIL_CAMPAIGN&utm_medium=email

10 Meter hohe Mauer am "Guten Zaun" (Grenze Israel - Libanon)

25.04.2012

 Warum baut das israelische Militär jetzt eine 10 Meter hohe Mauer an der Stelle des „Guten Zauns“, der Grenze zwischen Libanon und Israel? Die zehn Meter hohen Betonteile sollen in der nächsten Woche in einer Länge von 2 km an der Grenze zum Libanon aufgestellt werden. Das Bauvorhaben wird laut ND in der israelischen Presse kaum erwähnt, ist es doch wegen seines geringen Ausmaßes kaum zu vergleichen mit der „Apartheitsmauer/zaun“ entlang der Grünen Linie.

Afghanistan: Blühender Mohn

23.04.2012

Die Vereinten Nationen erwarten für das laufende Jahr einen erneuten Anstieg der Opiumproduktion in Afghanistan. Eine vor wenigen Tagen veröffentlichte »Risikoeinschätzung« des UN-Antidrogenbüros UNODC bestätigt den schon voriges Jahr festgestellten Trend zur Ausweitung der Anbauflächen. Während nur in einer einzigen Provinz, Kandahar, ein Rückgang der Drogenproduktion prognostiziert wird, werden neun dieser Velajats »voraussichtlich einen Zuwachs beim Opiumanbau verzeichnen«, heißt es in dem Bericht, der auf Befragungen von über 500 Dorfvorstehern im ganzen Land basiert. Nur 15 der insgesamt 33 Provinzen werden am Ende des Jahres noch »opiumfrei« sein. Bis vor zwei Jahren galt das noch für 20 Provinzen. »Wir sind wieder auf dem Stand von 2007/2008«, räumte der UNODC-Vertreter in Afghanistan, Jean-Luc Lemahieu, gegenüber dem britischen Guardian ein….“ Weiter: http://www.jungewelt.de/2012/04-23/index.php

Krieg gegen den Terror und die Selbstmordrate bei den Soldaten

23.04.2012

„Im »Krieg gegen den Terror«, vor allem im Irak und in Afghanistan, starben bisher 6300 US-Soldaten. Das sind allerdings immer noch weniger als die 6500 ehemaligen Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte, die allein im vorigen Jahr ihrem Leben selbst ein Ende setzen. Darauf machte Nicholas D. Kristof am 14. April in der New York Times aufmerksam. Nach den ihm vorliegenden Zahlen kommen zur Zeit auf jeden »auf dem Schlachtfeld gefallenen« Soldaten rund 25 Veteranen, die ihrem Leben selbst ein Ende setzen.

Das klingt auf den ersten Blick erstaunlich, fast unglaubwürdig, ist aber keine ganz neue Erkenntnis. Der US-Sender CBS sprach aufgrund mehrmonatiger eigener Recherchen schon im Februar 2009 von einer »Selbstmordepidemie unter Veteranen« und nannte ähnliche Daten. Auf Basis von 45 der 50 US-Bundesstaaten errechnete CBS eine Zahl von 6256 Veteranen, die sich im Jahr 2005 umgebracht hatten. Damit liege die Selbstmordrate unter ehemaligen Soldaten mehr als doppelt so hoch wie im Rest der Bevölkerung, stellte der Sender fest. Besonders auffällig sei der Unterschied in der Gruppe der 20- bis 24jährigen, die den Krieg im Irak oder in Afghanistan mitgemacht haben: Ihre Selbstmordrate lag mit bis zu 32 Fällen auf 100000 Personen fast viermal so hoch wie die von Gleichaltrigen, die nicht beim Militär waren….“ Weiter: <http://www.jungewelt.de/2012/04-23/index.php