Nachrichtenticker: Archiv Januar 2011
Kommentare aus syrischen Zeitungen
31.01.2011
Tel Aviv beobachtet mit Sorge die Entwicklung in Ägypten. Darüber schreibt Tahseen al-Halabi einen Kommentar in
al-Watan (nicht staatlich). Wen wundert es, dass Avi Dichter (Kadima, ehemals Chef der Inneren Sicherheit) die
Ernennung Omar Suleimans zum neuen ägyptischen Vizepräsidenten als „Sehr gut für Israel" bezeichnet. Yossi Beilin,
Arbeitspartei und ehemaliger Justizminister, meint in Haaretz, dass Präsident Obama die Türkei, den Libanon und
Ägypten verloren habe, Washingtons Verbündete im Nahen Osten. Ägypten könnte einen politischen Kurs einschlagen,
ähnlich dem Erdogans. Beziehungen zum Westen, unabhängige Nahostpolitik.
In einem Kommentar der syrisch staatlichen Tageszeitung ath-Thawra schreibt Abdul Halim Saud, dass das Camp
David Abkommen zwischen Israel und Ägypten vor dem Aus stehen könnte. Das Abkommen würde - so die Ägypter
- nur die Interessen Israels vertreten. Saud wirft dem Westen Doppelmoral vor. Reden würden sie über Freiheit,
Demokratie und Menschenrechte, andererseits würde der Westen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit
und Staatsterrorismus unterstützen.
Gamal Mubarak gesund in London angekommen
31.01.2011
Kaum ist Gamal Mubarak in London angekommen....stehen die Demonstranten schon vor der Tür...Treffpunkt heute um 4 Uhr 28 Wilton Place Westminster, SW1X 8RL
Proteste wegen Sendeverbot von al-Jazeera
31.01.2011
Internationale Proteste gegen das Sendeverbot von al-Jazeera in Kairo. Die sechs verhafteten Journalisten sind wieder freigelassen worden. Ihr Equipment ist allerdings weiterhin beschlagnahmt. Der Kanal Nilsat ist für al-Jazeera blockiert. Nilsat gehört Ägypten und sendet in Ägypten und nach Jordanien. Das Committee to Protect Journalists (CPJ) verurteilt diesen Schritt und fordert sofortige Aufhebung der Blockade. Dem Protest schließt sich auch Reporter ohne Grenzen an. Zum neuen Kabinett gehört auch Mahmud Wagdi, ein Polizeigeneral in Ruhe, der jetzt Innenminister ist und Habib al-Adly abgelöst hat.
Proteste in Jemen werden weitergeführt
31.01.2011
Die Proteste in Sanaa werden breiter, erstrecken sich in den Süden und die zentralen Bergprovinzen. Die Regierung hat viel Erfahrung mit Opposition. Sie hatte zu tun mit zwei aktiven Separatistenbewegungen, al-Qaida und der Südbewegung. Aber die neue Bewegung hat ein anderes Gewicht: Sie ist nicht auf Spaltung aus sonder strebt Freie Wahlen an und den Rücktritt Präsident Salihs. Davon ist wiederum die USA nicht besonders erfreut, haben sie doch die Militärhilfe und die Zusammenarbeit mit Salih enorm erweitert. Jason Ditz von antiwar.com meint, dass sein Land, die USA, eine Lektion bekommt über die Gefahren, die entstehen können, wenn man mit brutalen Diktatoren kungelt. Um den Protest zu stoppen hat Ali Salih 600 000 Soldaten versprochen dem Monatssold um 40 Dollar zu erhöhren. Gleichzeitig werden Preiskontrollen eingeführt und Steuern gesenkt. Im Fernsehen bat er jetzt sein Volk um Verzeihung „wenn ich einen Fehler gemacht oder meine Pflicht versäumt habe". Am 1.02. gab Ali Salih bekannt, dass er keine Verfassungsänderungen mehr vorhabe (er wollte die Verfassung ändern, was ihm eine weitere Amtszeit beschert hätte) .
Augenzeugenbericht von Hossam Hamalawy
30.01.2011
Hossam Hamalawy, Journalist, Blogger: website www.arabawy.org 3arabawy. Augenzeugenbericht
10 Tausende setzen den Protest auf dem Tahrir-Platz Tag und Nacht fort. Gestern waren wir nahe daran das Innenministerium zu stürmen. Die Polizei war aus den Straßen verschwunden. Im Innenministerium sind Barrikaden errichtet, auf dem Gebäude sind Scharfschützen, die auf uns schiessen. In der Mohamed Mahmud Straße haben sie auf uns geschossen. Ich habe einen Toten gesehen...In meiner Nachbarschaft Nasr City, in meiner Stadt Kairo und in allen ägyptischen Städten bilden sich Bürgerkomitees, die versuchen die Sicherheit in den Griff zu kriegen. Sie bauen Barrikaden, untersuchen Autos. Saboteure werden verprügelt. Die Armee am Tahrir-Platz ist nutzlos wie ein Stück Scheiße. Sie schützen nicht die Demonstranten wie sie behaupten. ...Wir wollen die Armee nicht! Die Armee herrscht seit 1952, sie ist nicht neutral. Die Ausgangssperre von der Armee auferlegt ist nutzlos. Jede Nacht wird sie durchbrochen mit den kontinuierlichen Protesten auf dem Tahrir. ...Es ist nicht wahr, was einige MSM Leute senden über die Muslimbruderschaft und den 6. April, dass sie die Proteste anführen würden. It's complete BS. In den meisten Fällen haben die Proteste spontane Führer. Wir wollen nicht, dass der Aufstand von irgendjemand gehijacked wird.
Die Suezarbeiter in verschiedenen Fabriken streiken, sie fordern den Rücktritt Mubaraks. Die Lage in Suez ist katastrophal, was die Zahl der Tote und Verletzte betrifft. Die Polizei ist gegen die Menschen vorgegangen, wie die Iraelis gegen die Palästinenser. Ihre Parolen gegen Mubarak beschimpfen ihn als Verräter und als Klient der USA und Israel. Von den USA und Obama halten die Demonstranten auch nicht viel, sie betrachten sie als Heuchler.
Die Volkskomitees sind der Kern wie in Zukunft direkte Demokratie austragen werden könnte. Wir sollten uns auf sie konzentrieren statt auf ElBaradei.
Demonstrationen finden weiterhin in allen ägyptischen Städten statt. Die Menschen wollen auch nicht Omar Suleiman. Sie wollen, dass Mubarak vor Gericht gestellt wird. Die Gebäude der State Security Police in Daqahliya, Kafr El-Sheikh, Rafah, Damanhour, und an anderen Plätzen wurde angezündet. ...