Nachrichtenticker: Dezember 2009

Drusische Führer treffen sich in Cypern

31.12.2009

Daily Star, Beirut. Der Führer der Progressive Socialist Party (PSP), MP Walid Jumblat, sprach in Zypern mit dem drusischen Knessetabgeordneten Said Naffaa und anderen Repräsentanten der drusischen Community in Israel. Jumblat sagte, dass die Zahl der nicht eingezogenen Drusen in der Armee bei 63,7% liege. Im Vergleich: In der Vergangenheit waren das 9%. Er meinte, dass, nachdem die Regierungsbildung in Libanon beendet wäre, es an der Zeit wäre, die Aufmerksamkeit auf die Befreiung der arabischen Drusen im besetzten Palästina zu lenken. Bei dem Treffen in Zypern wurde Jumblat begleitet von den Ministern Wael Abu Faour und Marwan Hamadeh. Jumblat meinte, dass solche beratenden Treffen von großer Bedeutung wären.  In Israel leben 120 000 Drusen. Jumblat möchte, dass in Israel für die Drusen derselbe Status besteht wie für die Araber von 1948.

Kairo nach der SChweinetötung

31.12.2009

Frankfurter Rundschau. Manshiet Nassr, ein Millionenslum, der acht Tonnen Abfall pro Tag verdaut: Müll aus Kairos bürgerlichen Wohnvierteln, den die Zabbalin, Manshiet Nassrs fünfzig- bis sechzigtausend Müllsammler, täglich an den Haustüren abholen. ....(jetzt jedoch) ist nichts mehr wie zuvor. Denn als die Regierung im Frühjahr alle Schweine des Landes töten ließ, brachte sie in Manshiet Nassr einen ganzen Kreislauf zum Erliegen: ein auf dem Schwein beruhendes Wirtschaftssystem. Nun steht Raggaie vor dem Ruin. Und Kairos Straßen verwandeln sich in stinkende Müllhalden.Als im Frühjahr das Schweinegrippe-Virus um die Welt ging, gab es in Ägypten keinen einzigen Krankheitsfall. Doch eine Massenhysterie erfasste das Land. Die Schweine seien gefährlich, hieß es plötzlich. Hatte Ägypten auf die Vogelgrippe zu spät reagiert, wollte das Parlament nun umso schneller handeln: Alle 350.000 Schweine des Landes sollten sterben. Männer in weißen Anzügen kamen auch nach Manshiet Nassr und warfen die Tiere auf Lkw. Einige Schweine wurden geschlachtet. Die anderen, erzählen die Zabbalin, seien mit Chemikalien übergossen qualvoll in der Wüste verendet. Nur der Staat hält in Ägypten heute noch Schweine - im Labor zur Insulinproduktion. Die Regierung, sagt ein Mann in Manshiet Nassr, habe nur auf eine Gelegenheit gewartet, die Schweine loszuwerden. Auch wenn es Muslime gab, die Schweine hielten, so traf die Aktion in erster Linie die koptischen Christen....Es waren koptische Christen aus Oberägypten, die in den 50er Jahren mit ihren Schweinen nach Kairo zogen. Sie flohen vom Land in der Hoffnung auf Wohlstand und endeten doch in der Armut der Großstadt. Einzig das Müllgeschäft florierte, konnten sie doch mit den organischen Abfällen ihre Tiere mästen. Die Schweinezucht wurde Grundlage ihrer neuen Existenz. Seitdem ziehen die Zabbalin von Tür zu Tür, sechs Tage pro Woche, ohne Krankenversicherung, ohne Arbeitsschutz. Für einen Lohn, der mit Schweinen schon kaum für ein Leben reichte...Mehr als 80 Prozent des nicht-organischen Abfalls werden in Manshiet Nassr recycelt, doch der Preis für diese Effizienz ist hoch. Sortiert wird per Hand; Hautkrankheiten und Hepatitis sind verbreitet. Seit es keine Schweine mehr gibt, sagt der Arzt Atif Salib vom Krankenhaus in Manshiet Nassr, leiden viele Kinder des Viertels an Anämie. Schwein war das einzig bezahlbare Fleisch, das sie auf die Teller bekamen....

Mehr als 500 Menschen verhaftet

31.12.2009

Teheran. Nach den jüngsten Zusammenstößen im Iran sind mehr als 500 Oppositionsanhänger verhaftet worden. Dies gab der iranische Polizeichef General Ismail Ahmadi Moghaddam am Mittwoch bekannt. Zugleich räumte er ein, daß die Zahl noch höher sein könnte, da Mitglieder der Bassidsch-Miliz sowie Geheimdienstagenten von sich aus weitere Festnahmen vorgenommen haben könnten. Bei den blutigsten Protesten seit der Präsidentenwahl im Juni waren am Sonntag mindestens acht Menschen ums Leben gekommen. (APD/jW)

Auslandstruppen töten Zivilisten

31.12.2009

(AFP/ND). "Wie Karsais Büro am Mittwoch unter Berufung auf eine Untersuchung des Verbrechens vom Wochenende mitteilte, wurden die Zivilisten in der östlichen Provinz Kunar an der Grenze zu Pakistan von Soldaten aus ihren Häusern getrieben und erschossen. Unter den zehn Todesopfern seien acht Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren. Karsai sprach den Angehörigen der getöteten Jugendlichen sein Beileid aus und versprach ihnen eine vollständige Untersuchung. Karsai hatte bereits zuvor das Vorgehen der ausländischen Truppen am vergangenen Sonnabend kritisiert. Die NATO- und US-Truppen haben das Verbrechen dagegen bislang nicht bestätigt. Ein Sprecher der NATO-Truppe ISAF sagte, dass es zum fraglichen Zeitpunkt keine Einsätze in der Region gab. Ein westlicher Militärvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte, sprach indes von einem Einsatz von US-Spezialkräften, die in Kunar zahlreiche Taliban getötet und gefangen genommen hätten..."

 

Gift unterm Bombenteppich

31.12.2009

JungeWelt. Von F. Mahdy, IPS. „Die israelischen Angriffe auf den Gazastreifen in den Jahren 2006 und 2009 haben verheerende Folgen für die Gesundheit der die Bombardements überlebenden Palästinenser. Wie aus einer wissenschaftlichen Studie hervorgeht, wurden in den Böden hohe Konzentrationen an toxischen Metallen festgestellt, die bei Neugeborenen genetische Schäden und Mißbildungen hervorrufen können. Die Experten des »New Weapons Research Committee« (NWRC) mit Sitz in Italien erstellen Gutachten über die Risiken, die mit dem Einsatz neuer nichtkonventioneller Waffen verbunden sind. Ihr Vergleich von Bodenproben aus vier Bombenkratern ergab eine erheblich höhere Konzentration giftiger Metalle wie Phosphor, Quecksilber, Molybdän, Kadmium und Kobalt. Die Metalle werden auch für Tumore und Fruchtbarkeitsprobleme verantwortlich gemacht. Zwei Krater waren 2006 bei der israelischen Bombardierung der palästinensischen Stadt Beit Hanoun und des Palästinenserlagers Jabalia im Norden des Gazastreifens entstanden. Die beiden anderen befinden sich in Tufah, einem Stadtteil von Gaza-Stadt. Sie sind das Ergebnis des israelischen Krieges Ende 2008/Anfang 2009, der 1400 Menschen das Leben kostete. Weitere 5000 wurden verletzt. In Anbetracht der schwierigen Lebensbedingungen in den Flüchtlingslagern sei deshalb eine höhere Anfälligkeit für die über die Haut, die Atemwege und die Nahrung erfolgende Aufnahme der toxischen Substanzen zu erwarten, warnte NWRC. Nach Ansicht der Genforscherin der Universität von Genua Paola Manduca müssen Maßnahmen ergriffen werden, um die Gefahr der Vergiftung von Menschen, Tieren und Pflanzen zu begrenzen. Auch seien Strategien erforderlich, um den verseuchten Menschen zu helfen, sagte sie.

In einer vorangegangenen NWRC-Studie, die am 9. Januar 2009 inmitten der dreiwöchigen Bombardierung des Gazastreifens durch Israel veröffentlicht wurde, hieß es, Israel teste offenbar neue nicht-konventionelle Waffen an der palästinensischen Zivilbevölkerung im Gazastreifen. »Es geschieht genau das, was wir bereits 2006 im Libanon-Krieg beobachtet haben«, sagte Manduca. Auch dort habe Israel weißen Phosphor, Uran- und DIME-Munition (Sprengstoff mit dichtem, reaktionsträgem Metall) sowie thermobarische und Streubomben eingesetzt. Weißer Phosphor ist hochentzündlich und brennt, sobald er mit Sauerstoff in Berührung kommt. Der Kontakt verursacht verheerende Verbrennungen und führt in hohen Dosen zum Tod. Manduca berichtet zudem von medizinischen Berichten und Zeugenaussagen, die nahelegen, dass die israelische Armee im Gazastreifen 2009 weitere neue Waffenarten testete, die 2006 noch nicht im Einsatz waren. Dies wiederum mache weitere technische und wissenschaftliche Forschungen erforderlich. In den vergangenen zwei Jahren hatte die NWRC zusammen mit libanesischen und palästinensischen Ärzten Untersuchungen auf der Grundlage histologischer, elektronenmikroskopischer und chemischer Analysen durchgeführt. Sie kamen zu dem Schluß, dass im Libanon 2006 und im Gazastreifen 2009 DIME und in hohen Dosen tödliche Waffen wie Phosphorbomben zum Einsatz kamen.NWRC hat 2007 einen entsprechenden Bericht an den UN-Sicherheitsrat geschickt. 2008 wurde der Report an das Internationale Bürgertribunal für Kriegsverbrechen im Libanon sowie an den italienischen Parlamentsausschuß für abgereichertes Uran weitergeleitet. NWRC hat ferner mit internationalen Wissenschaftlern kooperiert, die den Einsatz von Uranmunition im Libanon dokumentierten."