MEMRI-Watch
Das Middle East Research Institute, kurz MEMRI, ist eine us-amerikanische Non-Profit-Einrichtung. Die deutschsprachige Website finden Sie hier.
MEMRI ist eine PR-Maschine: PR für ein positives Israelbild, PR für ein Bild des Arabers, besonders des Palästinensers, als aggressiv und antisemitisch. Letzteres, die ausgesprochene, aber eben häufig nur unterschwellige und durch Auslassungen entstehende Behauptung eines allgemein verbreiteten arabischen Antisemitismus, ist einer der Hauptvorwürfe, die gegenüber MEMRI erhoben werden.
INAMO hat an verschiedener Stelle über MEMRI an sich, die Vorwürfe und die Debatte um die Einseitigkeit des von MEMRI propagierten Bildes, berichtet. Nachstehend haben wir die Beiträge zusammengestellt:
Henner Kirchner: "Yigal Carmon: Ein Leben für die Besatzung"
INAMO Nr. 32 / Winter 2002, Beitrag als pdf
(Text enthält geschwärzte Passagen, die INAMO aufgrund eines Vergleichs mit MEMRI unkenntlich machen musste.)
Christopher Hayes: "Selektive MEMRI – Eine Präzisierung"
INAMO Nr. 32 / Winter 2002, Beitrag als pdf
MEMRI vs. INAMO in den DAVO-Nachrichten
DAVO-Nachrichten, Datum ?, Seite 56f, Seiten als pdf
E-Mail Debate: Yigal Carmon and Brian Whitaker
28. Januar 2003, Dokumentation der Debatte als pdf
Erklärung der INAMO Redaktion
11. Februar 2003, Erklärung als pdf
Gegendarstellung MEMRI
22. Januar 2003, Gegendarstellung als pdf
Maarten Hijmans: "Ein kostenloser Wachhund!"
ZEm Zem Nr. 3/2005, Beitrag als pdf
Knut Mellenthin: "Warum das Berliner Memri nicht in Frieden leben kann"
http://www.anis-online.de/mediendatenbank/briefe9.htm#030816, Beitrag als pdf
Armin Köhli: "Ein Feind des Friedens"
Die WOZ vom 6. Februar 2003, Beitrag als pdf
Mohammed El Oifi: "Mittler oder Zensor - MEMRI, das umstrittene Informationsbüro"
INAMO Nr. 44 / Winter 2005, Beitrag als pdf
Shirin Fathi: "MEMRI.org - a tool of enlightenment or incitement?
INAMO Nr. 44 / Winter 2005, Beitrag als pdf
Brian Whitaker: "Selective MEMRI"
INAMO Nr. 31 / Herbst 2002, Beitrag als pdf
Nordbruch, Gläser: "Stellungnahme MEMRIs zu dem Artikel von Brian Whitaker in INAMO Nr. 31/2002"
INAMO Nr. 32 / Winter 2002, Beitrag als pdf
Brian Whitaker "Arabic under Fire"
Brian Whitaker schrieb für “Comment is free…“, den Meinungsblog des Guardian und des Observers den Artikel “Arabic under Fire”. Wir geben im Folgenden einige Auszüge in Übersetzung wieder. Den vollständigen englischen Text finden Sie hier.
In dem Hamas Videoclip aus einen Kinderprogramm von Hamas TV, den MEMRI übersetzt hat, fragt ein Doppelgänger von Mickey Mouse ein junges Mädchen, was sie al-Aqsa zuliebe tun würde (Sanabel, enti shu hate’mali ... ya’ni ... min ajl el-Aqsa? Shu hatefdi ... ya’ni ruhek min ajl el-Aqsa? Shu hate’mali?). Anscheinend versucht die Maus eine Anwort zu provozieren und ahmt eine Geste des Gewehrschießens nach. Dabei sagt sie: „Hatukhkh.“ (Ich werde schießen!). Das Mädchen sagt: „Ich werden ein Bild malen.“ MEMRIs Übersetzung ignoriert diese Antwort und zitiert das Kind (falsch): „Ich werde schießen.“ Die Maus fragt weiter: „Was sollen wir tun?” Das Mädchen antwortet: „Bidna nqawim.“ (Die korrekte Übersetzung: Wir werden Widerstand leisten). MEMRI gibt ihrer Übersetzung einen Schuß mehr Aggressivität: „We want to fight.“ (Wir werden kämpfen.). Die Maus fährt fort: „Was dann?“. Gemäß der MEMRI-Übersetzung antwortet das Mädchen: "We will annihilate the Jews." (Wir werden die Juden vernichten.). Die Klangqualität des Clips ist nicht sehr gut, aber ich habe ihn mehrere Male gehört (ebenso wie einige arabische Muttersprachler) und wir konnten kein Wort hören, das einen Bezug zum Wort „vernichten“ hat. Was das Mädchen zu sagen scheint ist: “Bitukhkhuna al-yahud.” (Die Juden werden auf uns schießen oder die Juden werden uns erschießen.) Es folgt eine weitere Suggestivfrage: “Wir werden al-Aqsa mit unserer Seele und unserem Blut verteidigen, oder nicht?” Wieder ist die Antwort des Mädchens nicht ganz klar, aber es scheint zu sein: „Ich werde den Märtyrertod sterben“ oder „Wir werden den Märtyrertod sterben“. (Bidi astash-hed, oder Bastash-hed oder Bnastash-hed ) Im Kontext der Konversation und entsprechend dem normalen arabisch-islamischen Sprachgebrauch, kann das verstanden werden, als „von den Israelis getötet werden“. Jedoch übersetzt MEMRI: "I will commit martyrdom" (Ich werde in den Märtyrertod gehen). So wird dem Mädchen eine Tat aus Vorsatz unterstellt und Yigal Carmon, Leiter von MEMRI und ehemaliger Colonel des israelischen militärischen Geheimdienstes betont seitdem, daß es hier um Selbstmordattentäter geht. Eine Konversation über Widerstand und Opfer wird so gewendet, daß ein Bild von motivloser Aggression auf Seiten der Palästinenser entsteht. Aber warum den Inhalt so übertreiben? Der Einsatz von Kinder TV für Propagandazwecke durch Hamas ist klar verabscheuungswürdig, wie BBC, The Guardian und andere bemerkt haben, aber warum dann noch den Inhalt so aufbauschen? Unter denen, die sich von MEMRIs Übersetzung haben irreführen lassen, war Glenn Beck von CNN, der sie im Radio senden wollte, bis sein Produzent Einhalt gebot. Beck informierte die Hörer, daß dies geschehen sei, weil die Arabischabteilung von CNN „massive Probleme“ damit habe. Anstelle das Band zu senden, lud Beck Carmon ein und bot ihm eine Plattform, um die Arabischabteilung von CNN öffentlich zu tadeln und besonders dem Teammitglied Octavia Nasr Unkenntnis in Sachen Sprache vorzuwerfen. Carmon zitiert ein Telefongespräch, das er mit Oktavia Nasr führte. „Sie sagte zu dem Satz (in MEMRIs Übersetzung): ‚We are going to…we will annihilate the Jews.’ Folgendes: ‚Nun, unsere Übersetzer hören etwas anderes. Sie hören: Die Juden schießen auf uns.’ Ich sagte zu ihr: ‚Du weißt, Octavia, die Wortfolge, die du zitierst, ist umgekehrt. Du kannst nicht einmal die Wortfolge richtig nennen. Selbst jemand, der kein Arabisch kann und das Band anhören würde, würde hören, daß das Wort „Juden“ am Ende steht. Also heißt es, daß den Juden etwas angetan werden soll und nicht, daß die Juden jemandem etwas antun.’ Sie insistierte, daß das Wort am Anfang stehe. Ich sagte: ‚Octavia, du kapierst es einfach nicht. Es steht am Ende.’ Sie konnte das eine nicht vom anderen unterscheiden.“ Carmon hatte Erfolg und konnte Glenn „Israel shares my values“ Beck übers Ohr hauen, der ihm sagte. „Das erstaunt mich: Ich weiß Ihre Mühen und das, was Sie bei MEMRI tun, zu schätzen, es ist eine wichtige Arbeit.“ Es ist in der Tat erstaunlich, denn indem er MEMRIs Übersetzung verteidigt, steht Carmon nicht nur im Widerspruch zur Arabischabteilung von CNN, sondern auch zu allen arabischen Grammatikbüchern. Die Wortfolge in einem typisch arabischen Satz ist nicht die gleiche wie im Englischen: das Verb kommt zuerst und so heißt es in dem Satz: „Sie schießen auf uns, die Juden“, „Die Juden schießen auf uns.“… Das kuriose ist eigentlich, daß MEMRIs Übersetzungen normalerweise korrekt sind (natürlich sind sie im hohen Maße selektiv in der Auswahl dessen, was übersetzt wird, und sie reißen Dinge aus dem Originalkontext). Wenn es Fehler gibt, dann kann man sie schwerlich als Inkompetenz oder versehentlichen Lapsus abtun. Wie in dem Fall des TV-Kinderprogramms scheinen politische Motive eine Rolle zu spielen. Der Effekt ist, dass alles, was MEMRI übersetzt, entwertet wird. Verantwortliche Nachrichteninstitutionen dürfen nichts für bare Münze nehmen, sondern müssen jede Übersetzung mit dem arabischen Original gegenchecken. 15. Mai 2007-07-02
Aus dem Englischen von Norbert Mattes.