NUN DOCH NEUE HANDELSABKOMMEN MAROKKO-EU
16.02.2012
Gestern, 16.2., entschied das Europaparlament in Straßburg für ein neues Agrarabkommen mit Marokko. Erst vor wenigen Wochen hatte es einen Vertrag, der die Fischerei der EU-Flotte in marokkanischen Gewässern regelt, abgelehnt. Nun soll der Freihandel erneut erweitert werden. Kritiker wie der grüne EU-Parlamentarier José Bové wenden ein, dass das Abkommen den marokkanischen Kleinbauern und den Saharauis schade. Es nütze allein Großunternehmen und bestätige implizit die marokkanische Herrschaft über die Westsahara, deren Ressourcen wie fossiles Wasser zudem durch große Farmen erschöpft würden, ohne dass die Sahrauis davon profitierten, fügte ein Polisario-Sprecher hinzu. Agrarminister Akhennouch wies erstere Behauptung zurück; die Kleinbauern hätten sich längst großen Kooperativen angeschlossen, über die sie nun erleichtert Zugang zum internationalen Markt erlangten. Umgekehrt begrüßte er, dass die Entscheidung die "territoriale Einheit" Marokkos achte. Die Abkommen mit der EU hatten in den letzten Jahren zum Teil für erhebliche Preissteigerungen gesorgt. Sardinen, Knoblauch, Tomaten wurden mitunter wie Feinkost gehandelt. Auch verdächtiges Genfood hat die marokkanische Landwirtschaft erobert, deren Stärke die natürlichen Anbaubedingungen in weiten Teilen des Landes sein könnten. Die Politik setzt jedoch seit Jahren auf einen "Grünen Plan", der in Marokko die Sünden der europäischen Flurbegradigung reproduzieren würde und die soziale Frage vertiefen dürfte. (inamo-meldung)